Musik-Campus: Nicht alles ist klar – wohl aber der Standort

»Hittorfstraße ist jetzt gesetzt«

Der neue Stand des Verfahrens ist eigentlich schnell erzählt: Mit den Stimmen aller Parteien außer der Linken hat der Hauptausschuss am Mittwochabend Geld freigegeben, damit die Stadt weitere Studien und Gutachten zum geplanten Musik-Campus in Auftrag geben kann.

Weitaus aufschlussreicher indes war die Aussprache. Längst nicht alle Fragen sind geklärt, wohl aber Standort und Konzept. So wies der stellvertretende SPD-Fraktionschef Marius Herwig darauf hin, dass die SPD lange das Projekt eines Kulturforums auf dem Parkplatz Hörsterstraße favorisiert habe, in dem Volkshochschule, Musikschule, Sinfonieorchester und eine Musikhalle gebündelt werden sollten. Diese Idee habe bei den Koalitionsverhandlungen mit Grünen und Volt „keine Mehrheit“ gefunden. Das Ergebnis: „Wir unterstützen den Musik-Campus.“

Auch der GAL-Fraktionssprecher Christoph Kattentidt redete nicht lange um den heißen Brei herum: „Der Standort Hittorfstraße ist der Standort, den die Uni will.“ Da die Uni als „größter Player“ in Münster auf die Stadt zugekommen sei und ihr ein Projekt „mit großen Syn­ergien“ vorgeschlagen habe, sei damit die Hittorfstraße gesetzt.

Zur Erinnerung: Der von Uni-Rektor Johannes Wessels und Oberbürgermeister Markus Lewe favorisierte Musik-Campus ist eine Kultureinrichtung an der Hittorfstraße, die der Musikschule, der Musikhochschule und dem Sinfonieorchester eine Heimat geben soll, ergänzt um eine Konzerthalle. Auch die Musiklehrerausbildung soll auf den Campus ziehen.

CDU-Ratsherr Dr. Dietmar Erber begrüßte die klaren Bekenntnisse zu dem Projekt. Als Zeichen der parteiübergreifenden Verständigung stimmte die CDU dem von der Ratskoalition vorgelegten Änderungsantrag zu.

Der wiederum formuliert klar, dass mit der Vergabe der Gutachten „noch keine Vorentscheidung für die Realisierung des Musik-Campus verbunden ist“. Angesichts der Corona-Pandemie und der damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen könne ein endgültiger Beschluss erst erfolgen, „wenn die Auswirkungen dieser Krise realistisch absehbar sind“. Oder wie es Kattentidt formulierte: „Entschieden wird erst, wenn alles auf dem Tisch liegt.“

Zu den Fragen, die geklärt werden sollen, gehört für die Rathauskoalition, ob nicht der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes NRW den kompletten Musik-Campus errichtet „und die städtischen Anteile der Räume an die Stadt Münster vermietet werden können“. Der BLB ist zuständig für alle Landes­immobilien, also auch für die der Universität Münster.

In diesem Fall würde das Gewicht der Uni in diesem Gemeinschaftsprojekt noch einmal beträchtlich anwachsen.

Kommentar von Klaus Baumeister

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